Kampf der Titanen

13. April 2010 | von admin | Kategorie: Kino, OZ-Net-Filmrezensionen, Top-Artikel

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OZ-Net-Moviestar-Bewertung: 7 / 10

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“Kampf der Titanen” ist ein im Jahre 2010 produzierter Fantasy-Action-Film von Regisseur Louis Leterrier. Seine Handlung bezieht der Film aus der griechischen Mythologie, wobei hierbei zu sagen ist, dass nicht alle Fakten wahrheitsgetreu aus der Mythologie übernommen wurden. Genau genommen ist „Kampf der Titanen“ eine Neuverfilmung des gleichnamigen Films „Kampf der Titanen“ von Desmond Davis aus dem Jahre 1981.

Seine Weltpremiere feierte Leterriers „Kampf der Titanen“ am 25. März 2010 in Griechenland – dem Ursprungsland des mythologischen Handlungsstranges des Films. In sowohl Österreich als auch Deutschland und der Schweiz startete der Film am 8. April 2010 in den Kinos.

Mit „Kampf der Titanen“ lockt ein weiterer 3D-Film zahlreiche Cineasten in die Kinos: „Avatar“ und „Alice im Wunderland“ haben es vorgemacht – „Kampf der Titanen“ führt den 3D-Hype fort. Es scheint wohl in letzter Zeit schlichtweg „in Mode“ zu sein, einen Film nach dem anderen in 3D zu produzieren. Nach „Alice im Wunderland“ ist „Kampf der Titanen“ bereits der zweite Film, dem der Tiefeneffekt des allseits beliebten 3D erst in der Postproduktion verliehen wurde. Wie man sieht hat nicht jeder Regisseur wie James Cameron die Zeit, sich die Vision eines möglichen Filmes über Jahre zu überlegen und diesen von Beginn an in 3D zu produzieren. Tatsache ist, dass die Regisseure von „Alice im Wunderland“ und „Kampf der Titanen“ wohl besser getan hätten, ihren Filmen den 3D-Effekt von Anfang an „einzuweben“. Sollten zukünftige 3D-Filme – und wir können uns angesichts des bombastischen 3D-Hypes sicher sein, dass noch viele weitere folgen werden – ihren Tiefeneffekt ebenso erst in der Projektnachbereitung verliehen bekommen, so wird der 3D-Boom schneller vorbei sein, als man glaubt.

Leterriers Remake von Ray Harryhausens Schinken „Kampf der Titanen“ aus dem Jahre 1981 ist in Sachen Choreographie und Landschaftsbilder auf eine besonders beeindruckende Art und Weise perfekt gelungen. Trotz allem erweisen sich die teilweise äußerst distanzlosen Kampfszenen sowie ruckartig schwenkenden Filmbilder für ein wirkungsvolles 3D-Kinoerlebnis als eher ungeeignet. Obwohl Leterrier in dieser Hinsicht markante Fehler unterlaufen sind – besonders aufgrund der Tatsache, dass der Fantasy-Action-Film einen absoluten 3D-Film darstellen sollte – sind ihm weitere Experimente wunderbar gelungen. Als besonders positiv ist an dieser Stelle die bildhafte Darreichung der antiken Sagengestalten sowie einiger Schauplätze zu erwähnen. Dabei sind vor allem der anfänglich schwache Hades, der dies mit einem eher gebrechlichen Gang und zurückhaltender Stimme perfekt zum Ausdruck bringt, die Unterwelt mit der Darstellung des Fährmannes, der „gutmütige“ Zeus, der stets als hell und in Verbundenheit mit den Menschen repräsentiert wird sowie Medusa, deren „trashige“ Darbietung ihrer Gestalt besonders hohe Achtung verdient, hervorzuheben.

Darüber hinaus hat der französische Regisseur glänzend bewiesen, dass er kein Problem damit hat, voneinander unabhängige Handlungsstränge logisch miteinander zu verknüpfen, sodass ein in sich klarer „Inhaltsfaden“ mit einer plausiblen Geschichte entsteht: Rund um die anfänglichen Unklarheiten hinsichtlich Perseus‘ Herkunft und familiären Hintergrund hat Leterrier ein in sich einheitlich und nachvollziehbares Netz an einer klar formulierten Adoleszenz-Geschichte gesponnen.

Perseus’ wirre Familienkonstellation bewirkt einen Konflikt, der bereits zu Beginn von „Kampf der Titanen“, als sich Perseus als Erwachsener mit seinem Vater auf dem eigenen Schiff befindet, klar abzusehen ist. Es beginnt ein Kampf verschiedener Vaterfiguren, die sich um Perseus‘ eigentliche Identität duellieren, um Perseus zu jenem „Menschen“ zu machen, der das Schicksal bezwingen kann. Neben den verkörperten Vaterfiguren wird auch einer bestimmten Mutterfigur eine besonders wichtige Rolle zugeteilt: Io verkörpert einerseits die Mutterfigur, andererseits ein Objekt der Begierde. Die körperliche Verbundenheit zwischen Io und Perseus ist bereits von Beginn des Filmes an erkennbar. Trotz allem wird ihre wahre Zuneigung nie öffentlich kundgetan. Man könnte sogar anfänglich glauben, dass es Prinzessin Andromeda gelingt, das Herz von Perseus zu erobern. Dies aufgrund der Tatsache, dass sie zu Beginn des Filmes besonders in den Vordergrund gerückt wird und Perseus eindeutige Blicke zuwirft. Jener Zuschauer oder Cineast, der auf eine positives Liebeserwachen zwischen Andromeda und Perseus bis zum Ende von „Kampf der Titanen“ hofft – auch als er sie vor dem furchterregenden Kraken rettet – wird maßlos enttäuscht.

Leterrier ist es wunderbar gelungen, einen namhaften Cast (Sam Worthington als Perseus ; Liam Neeson als Zeus ; Ralph Fiennes als Hades) für seinen Film „Kampf der Titanen“ aufzubauen. Damit hat er Avatar-Star Sam Worthington die Chance gegeben, als wahrer Titelheld in voller „Montur“ aufzutreten – und das ohne CGI-Maske wie bei „Avatar“. Gemma Arterton schafft es mit der Darstellung ihrer Io, eine attraktiv-geheimnisvolle Stimmung zu erzeugen. Auf der Seite des Olymps hingegen verdient die Schauspielerei nicht so großes Lob: Würden sich Liam Neeson als Zeus und Ralph Fiennes als Hades nicht gegenseitig „hochspielen“, so würden die Szenen auf dem kitschig dargestellten Götterhimmel stets nebensächlich und absolut nicht spannend ausfallen.

Obwohl „Kampf der Titanen“ mit seiner Star-Besetzung gut „ausgestattet“ ist, schafft es der Fantasy-Action-Film leider nicht, an das Niveau eines echten Popcorn-Krachers heranzukommen. Dazu kommt nicht nur die Tatsache, dass der post-eingesponnene Tiefeneffekt des 3D eine klare Fehlentscheidung war und hier das gute, alte 2D-Kino die eindeutig bessere Wahl gewesen wäre, sondern auch der Fakt, dass Poseidon zwar als einer der drei Göttergeschwister zu Beginn des Films vorgestellt wird, dieser jedoch außer der Floskel „Bruder!“ nie zu Wort kam. Anscheinend existieren doch nur Zeus und Hades, die sich um die Oberhand des Olymps streiten, oder haben wir da etwas Wichtiges verpasst?

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