Robin Hood

2. Juni 2010 | von admin | Kategorie: Kino, OZ-Net-Filmrezensionen, Top-Artikel

Robin_Hood_Filmplakat

 

OZ-Net-Moviestar-Bewertung: 9 / 10

OZ-Net-Moviestar-Bewertung_Robin-Hood

 

“Robin Hood” ist ein im Jahre 2010 produzierter Historienfilm von Regisseur Ridley Scott. Die Produktion eröffnete am 12. Mai 2010 die 63. Filmfestspiele von Cannes an der Côte d’Azur in Frankreich. Nur einen Tag später startete Ridley Scotts historisches Abenteuer-Epos in den deutschsprachigen Kinos.

Eines sei zu Beginn schon mal verraten: „Robin Hood“ erzählt nicht die eigentliche Robin-Hood-Geschichte, wie wir sie aus anderen Verfilmungen und Kinderproduktionen kennen, sondern bringt dabei eine fiktive Vorgeschichte zur eigentlichen Robin-Hood-Legende an die Kinoleinwand. Ridley stützt sich dabei nicht ausschließlich auf eine völlig neue, fiktive Geschichte Robin Hoods, sondern integriert altbekannte und reale historische Charaktere sowie Gegebenheiten aus dem 12. Jahrhundert in die ganzheitliche Handlung.

Unsere Gesellschaft befindet sich in einem kontinuierlichen Wandel – sowohl hinsichtlich gewisser Moralvorstellungen als auch bezogen auf den unaufhaltsamen HighTech- und Technologieboom. So wie die Gesellschaft und das generelle heutige Dasein stets einen Schritt nach vorne tun, bewegen sich viele Kinoproduktionen mehrere Schritte zurück. Und so kommt es, dass ein Stoff, der seit Jahrhunderten existiert, immer wieder neu aufgegriffen und im Laufe der Zeit stets aus unterschiedlichen Blickwinkeln und Facetten betrachtet wird. Mit dem Jahre 2010 war schließlich jener Zeitpunkt gekommen, der Regisseur Ridley Scott dazu veranlasste, eine völlig neue Sicht der Robin-Hood-Geschichte zu kreieren. Scott war es genau genommen gelungen, einen frischen Ansatz für die Legende rund um den unbeugsamen Bogenschützen Robin Longstride zu zimmern. Mit „Robin Hood“ schaffte der Regisseur ein erstklassig inszeniertes Action-Abenteuer, dessen Handlung nicht wieder die längst uninteressant gewordene „normale“ Robin-Hood-Geschichte fokussiert, sondern sich auf etwas völlig Neues und bisher Unbekanntes stützt – nämlich die Vorgeschichte des Robin Longstride aus Sherwood Forest …

England um 1200: Das Land „vegetiert“ vor sich hin. Die verheerenden Kreuzzüge des Königs Richard Löwenherz (Danny Huston) bestimmen schlichtweg das Tagesgeschehen, während die Bevölkerung selbst am Hungertuch nagt und von der Krone mit überhöhten Steuern geknechtet wird. Als Richard Löwenherz jedoch im Kampf gegen die Franzosen fällt, übernimmt sein selbstherrlicher Bruder John Ohneland (Oscar Isaac) die englische Krone. Währenddessen John von seinem Regiment als neuer englischer König nicht genug kriegen kann, kommt der Bogenschütze aus Sherwood Forest Robin Longstride (Russell Crowe) gemeinsam mit seinen Freunden und Mitstreitern Will Scarlett (Scott Grimes), Little John (Kevin Durand) und Allan A’Dayle (Alan Doyle) einer gefährlichen Verschwörung auf die Schliche: Der hinterlistige Godfrey (Mark Strong) treibt mit König John ein doppeltes Spiel und versucht, sein Heimatland zu seinen eigenen Gunsten zu verraten. Szenenwechsel: Der in den Hinterhalt gelockte Edelmann und Ritter Sir Robert Loxley (Douglas Hodge), ein Vertrauter König Richards, wird von Godfreys Männern tödlich verletzt. An seinem Sterbebett bittet er Robin, seinem Vater in England, Sir Walter Loxley von Nottingham, von seinem Tod zu berichten und ihm sein Schwert zu übergeben. Robin gibt dem englischen Ritter sein Versprechen und macht sich mit seinen Weggefährten auf den Weg nach Nottingham. Dort trifft er auf Lady Marion (Cate Blanchett), Sir Robert Loxley Witwe. Sir Walter Loxley adoptiert Robin als seinen Sohn und drängt Marion dazu, ihn als ihren zurückgekehrten Ehemann Robert Loxley auszugeben …

Durch Ridley Scotts übermäßige Kreativität ist ihm ein moderner „Robin Hood“, der eine völlig neue Perspektive einnimmt, erstklassig gelungen. Dabei setzte der Regisseur vor allem auf Realismus sowie an die damalige Zeit perfekt angepasste Kulissen. Schon aufgrund dieses realen Inszenierungsstils lässt bereits von Beginn an darauf schließen, dass „Robin Hood“ anno 2010 mit vorherigen Produktionen, in denen Robin Hood einerseits als der König der Diebe gefeiert wurde und die Schauspieler andererseits mit Strumpfhosen durch den Sherwood Forest liefen, wirklich nichts mehr gemein hat. Stattdessen setzt Scott auf harte Actionszenen und kommt dabei seinem ebenfalls vor Kraft nur so strotzenden Klassiker „Gladiator“ erdenklich nahe. Wie soll es auch anders sein – bei der Besetzung? Russell Crowes Darreichung des Robin Hood erinnert in manchen Szenen tatsächlich an seine Rolle als Gladiator, was jedoch als Kompliment aufzufassen sein sollte, denn immerhin gilt „Gladiator“ als absolute Erfolgsproduktion.

Was die „Zeichnung“ und Darreichung der einzelnen Charaktere betrifft, so wird jeder Cineast, der bereits mehrere Robin-Hood-Verfilmungen genossen hat, merken, dass Scotts Rollen nicht gar so klar verteilt sind. Tatsache ist, dass die Figur des legendären Robin Hood auf einem klaren Mythos basiert und sich diese Figur im Zuge der Geschehnisse in England rund um das 12. und 13. Jahrhundert entwickelt hat. In anderen Worten: Diese Zeit, in der die Steuereintreibung sowie das Knechten des Volkes an der Tagesordnung standen, brauchte einen „Helden“, der für Gerechtigkeit und das allgemein Gute kämpfte. Aufgrund dieses Faktums, dass die Figur des Robin Hood auf keiner realen Person fußt, ist es Ridley Scott keinesfalls zu verübeln, dass er sich dazu entschieden hat, seine eigene Geschichte aus Robin Hoods Vorleben zu erzählen. Scott stützt sich, wie bereits erwähnt, nicht auf die allseits bekannte Variante der Robin-Hood-Saga. Somit verkörpern, wie so oft im Rahmen anderer Produktionen, Robin Hood und der englische Ritter Sir Robert Loxley nicht ein- und dieselbe Person, sondern Robin Longstride schlüpft erst im Laufe der Handlung in die Rolle des englischen Edelmannes. Wie wir Russell Crowe bereits aus „Gladiator“ kennen, so zeigt sich der Schauspieler auch in seiner Rolle als Robin Longstride als „harter Hund“. Seine kantige Darreichung des Bogenschützens aus Sherwood Forest steht dabei in völligem Kontrast zu Kevin Costners Rolle als Robin Hood in der gleichnamigen Verfilmung aus dem Jahre 1991. Diese Version war nicht nur „softer“ in ihrem allgemeinen Inszenierungsstil, sondern ebenso von einem Touch Romantik durch die immer wieder ertönende Bryan-Adams-Schnulze, auf den Ridley Scott fast gänzlich verzichtet, geprägt. Trotz der generellen rauen Aufmachung von Scotts „Robin Hood“, kann ohne Bedenken gesagt werden, dass seine Produktion weitaus heller glänzt als so manch andere Darbietungen.

Was die Besetzung von Scotts „Robin Hood“-Verfilmung betrifft, so sei angemerkt, dass diese etwas besser gewählt hätte werden können. Diese Kritik gilt keinesfalls Russell Crowe. Er mag wohl mit seinen 45 Jahren zum Zeitpunkt der Dreharbeiten der wohl  älteste Robin Hood der Robin-Hood-Filmgeschichte sein, aber trotz allem kann er als der bisher beste Schauspieler aller Robin-Hood-Darreichungen angesehen werden. Die Kritik hinsichtlich einer nicht so „prickelnden“ Star-Besetzung gilt vor allem der Rolle der Lady Marion. Cate Blanchett gehört nicht nur zu den bereits über 40-Jährigen, sondern ist in der Rolle der eher zarten und „wunderschönen“ Lady Marion klar fehlbesetzt. Sollte es Scotts Ziel gewesen sein, Lady Marion als eher rau und forsch darzustellen und für ihre Rolle eine Schauspielerin zu wählen, die seit Jahren nicht mehr zur jungen Star-Elite des 21. Jahrhunderts zählt, so ist ihm dies perfekt gelungen.

Fazit: Wer von Ridley Scott noch immer nicht genug hat, sein Meisterwerk „Gladiator“ liebt und eine weitere Top-Verfilmung genießen möchte, der ist mit seinem neuesten Actionabenteuer „Robin Hood“ bestens bedient. Der Film strotzt vor Kraft und zeichnet sich durch einen in jeder Hinsicht perfekten Inszenierungsstil aus. Warum Scott allerdings 140 Minuten Leinwandzeit benötigt, um sein historisches Meisterwerk zum Ende zu führen, ist dennoch unklar. Tatsache ist, dass ein etwas kürzerer Mittelteil dem Film keineswegs geschadet, wenn nicht sogar um ein I-Tüpfelchen besser gemacht hätte.

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